Anfänge in der Einheit – 1.Johannes 4.19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Eins In Christus
Anfänge in der Einheit der Christen.

Zunächst soll umrissen werden worum es nach biblischem Verständnis geht, wenn über die Gemeinschaft mit Geschwistern aus anderen Gemeinden oder Denominationen gesprochen wird. Es gibt zwei Begriffe, die in diesem Zusammenhang genannt werden.

  1. Einheit der Christen: Da gibt es mehrere lang andauernde Baustellen.
    Die Ökumene ist eine solche Baustelle. Man spricht über die verschiedenen Tradtionen und das unterschiedliche Verständnis biblischer Aussagen. Es wird ein besseres gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Veranstaltungen angestrebt oder vereinbart.

  2. Eins sein in Christus:

1. Johannes 4,16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.
21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Die obigen Verse machen deutliche Aussagen über die Liebe Gottes zu uns und unsere Liebe zu ihm. Liebe ist mehr als jede Zuneigung und nicht durch ein Gefühl zu erklären.

  • Zuneigung und Gefühle beschreiben, wie es mir in der Beziehung zu meinem Gegenüber geht.

  • Liebe schließt das nicht aus, aber sie sieht in erster Linie den, dem meine Liebe gilt; sie ist für ihn da, sie setzt sich für ihn ein und ist bereit, für ihn zu leiden.
    Darum heißt es auch: „Wer Gott liebt, ist ihm gehorsam.“
    Es sollte klar sein, die die Gott liebt kann ich nicht hassen, ich liebe sie, sonst ist meine Liebe zu Gott nur Einbildung und Lüge.

Liebe kann unterschiedliche Partner haben, Liebe zu Gott, Liebe zu einem Partner, Liebe zu Menschen in Not, Liebe zu meiner Gemeinde, Liebe zu meinem Volk und sogar Liebe zu meinen Feinden. Liebe ist nichts statisch festes.

  1. Die Liebe ist eine Geschenk, das Gott in uns hineinlegt. Wenn wir Gott in unser Leben aufnehmen und ihm immer mehr Raum geben und unser Inneres verändern lassen, dann wohnt er in uns. Wenn Gott in uns wohnt, dann wohnt auch seine Liebe in uns, denn Gott ist Liebe. Dies ist ein Prozess der Umwandlung in sein Bild. Diese Umwandlung ist nicht unser Werk, aber wir müssen sie zulassen Schritt für Schritt.
    Wenn es mir in immer wieder gleichen Situationen an Liebe fehlt, liegt das sicher nicht an Gott, dass er mich vielleicht übersieht, es liegt an einer Ursache in meinem Inneren. Es liegt sicher nicht daran, dass ich von dem was ich gerne tue nicht genug tue. Vielleicht halte ich fest an Meinungen, Vorurteilen, Enttäuschungen oder anderen Dingen, die mich zwingen zurückzuschauen, weil da ungeheilte Verletzungen oder selbstgefälliger Stolz sind. Denn die Liebe schaut nicht auf Versagen zurück, weil sie vergibt. Die Liebe setzt sich bedingungslos für den anderen ein, damit das erfüllt wird, was für ihn das Beste ist.

    • Jeder Mensch und besonders Geschwister in unserer Nähe sind für uns ein Geschenk, denn Gott liebt sie. Und wo die Liebe Gottes ist, werden alle Nächsten mit beschenkt.

    • Ungläubige oder Feinde sind meist schwer als Geschenk anzunehmen, aber die Probleme mit ihnen werden unsere innere Reife fördern, wenn wir ihnen in der Liebe Gottes begegnen.

    • Geschwister in anderen Gemeinden oder Denominationen sind ein Geschenk, das uns den Reichtum und die Vielfalt der Gaben Gottes zeigt. Die unterschiedlichen Berufungen und Gaben Gottes gehören zu dem selben Leib.

  2. Die Liebe muss erkannt werden

    • Ein Säugling hat sein Leben von Gott, weil er ein Geschöpf Gottes ist.
      Deshalb ist er auch ein Wesen, das jeder niedlich und liebenswert findet. Aber darüber hinaus hat er noch keine Fähigkeiten, sich irgendwie nützlich zu machen. Trotzdem trägt er in sich ein sehr hohes Potential an Gaben und Fähigkeiten.
      – Zuerst lernt er sich durch Trinken am Leben zu halten.
      – Dann übt er seine verschiedenen Sinne und schließlich fördern Eltern und andere Beziehungspersonen seine Fähigkeiten, bis er sie mehr und mehr anwendet und ein die Gesellschaft mitprägendes Glied wird.

    • Ähnlich soll die Entwicklung eines Menschen nach der Wiedergeburt sein.
      – Als erstes muss er lernen, geistlich am Leben zu bleiben, dazu übt er sich im Lesen der Bibel, im Gebet und sucht die Gemeinschaft mit anderen Christen. Wer das versäumt gleicht dem Samen, der auf steinigen Boden fällt.
      – Aber er soll nicht nur geistlich am Leben bleiben, sondern Frucht tragen. Dazu muss er die ihm von Gott verliehenen Gaben erkennen und entwickeln.

    Die Liebe ist auch eine Gabe. Eine grundlegende Liebe wird meist dadurch geweckt, dass man Liebe erfährt, von Seelsorgern, anderen Christen oder durch den Heilgen Geist beim Lesen der Bibel.

  3. Die Liebe muss ihren Ausdruck finden.
    Da Liebe nicht nur ein Gefühl, sondern eine lebendige Beziehung sein will, zeigt sie sich auch in meinem Verhalten und meinem Tun.
    o Bei Gott ist es meine Herzensbeziehung und mein Gehorsam gegen seinen Geboten.
    o Innerhalb der Gemeinde, gibt es im Gemeindeleben und in persönlichen Begegnungen, viel Möglichkeiten, der Liebe Ausdruck zu geben.
    o Zwischen verschiedenen Gemeinden am Ort fehlen noch sehr oft lebendige Beziehungen, die die Einheit des Leibes sichtbar werden lassen.

    „wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.“
    Wie zeigt sich meine Liebe zu Brüdern in anderen Gemeinden?

    • Geschwister in Not: Ähnlich wie Paulus zur Unterstüzumg der Gemeinde in Jerusalem gesammelt hat, so gibt es auch jetzt Organisationen, die Spenden für Geschwister in Not sammeln und damit helfen. Für viele ist diese Hilfe ein Abgeben aus dem eigenen Überfluss.

    • Geschwister in Verfolgung: Auch hier gibt es unter den erschwerten Bedingungen Hilfen. Zusätzlich hört man immer wieder, dass diese Geschwister besonders wünschen, dass wir uns im Gebet für sie einsetzen, weil es ihnen Kraft und Trost vermittelt und die Gewissheit, nicht allein zu sein.

    • Gemeinschaft mit Geschwistern aus Nachbargemeinden: Hier gibt es einige gemeinsame Veranstaltungen wie ökumenische Gottesdienste, Allianz Gebetswoche und anderes. Das zeigt, dass die Mauern um die verschiedenen Denominationen einzelne Lücken haben. Aber was geschieht, ist geplant und bleibt unter der Kontrolle der Gemeindeleiter. Für das freie Wehen des heiligen Geistes ist noch nicht genügend Raum, und so bleiben auch noch die Früchte aus, die viele sehnlichst erhoffen. Um Frucht zu bringen, muss sich der heilige Geist frei bewegen können. Ein betonierter Kanal gibt sein Wasser auch nicht an die umgebenden Felder ab.
      Doch es gibt auch immer mehr übergemeindliche Seminare und Konferenzen, auf denen sich Geschwister treffen, austauschen und Glaubensimpulse empfangen. Im Bereich der Ortsgemeinden haben Alphakurse oft diese Funktion.

    • Gemeinsamer Dienst mit Geschwistern aus Nachbargemeinden: Wir sind nicht nur dafür da, um uns unter Geschwistern der Liebe Jesu zu erfreuen und die Beziehung zu ihm zu intensivieren, sondern um die Liebe weiterzugeben an unsere Nachbarn und die Menschen in unseren Städten. Um hier fruchtbarer zu sein muss Johannes 17,21 sichtbar werden.

      damit sie alle eins seien,
      wie du, Vater, in mir und ich in dir,
      dass auch sie in uns eins seien,
      damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.

    Die Liebe muss ihren Ausdruck finden, so dass sie von den Menschen erkannt wird. Die Reaktion ist nicht immer so, wie wir es uns wünschen oder anders gesagt, der Boden ist nicht immer fruchtbar oder bereit den Samen der Liebe aufzunehmen. Die Apostel mussten das auch erfahren. Zunächst wuchs die Gemeinde in Jerusalem schnell, aber später gab es Verfolgungen und auch Paulus wurde gefangengenommen. Aber entsprechend seinem Auftrag und um derer Willen, die gerettet wurden, nahm er Gefangenschaft, Folter und schließlich den Tod auf sich.
    Wenn die Christen nicht einmütig zusammenstehen, kann nicht viel neues Leben wachsen. Denn Jesus hat nur eine Botschaft der Liebe und Gnade und nur eine Gemeinde (einen Leib).
    Solange wir als Gemeinden nebeneinander und nicht miteinander als Glieder eines Leibes unseren Auftrag in der Welt wahrnehmen, mißachten wir den Willen Jesu, weil uns unsere eigenen Vorstellungen oder Traditionen wichtiger sind als der Auftrag, Boten seiner Liebe zu sein.

  4. Die Liebe muss gepflegt werden, damit sie wachsen und reifen kann.
    Liebende haben gemeinsame Zeiten oder zumindest Kontakte, um sich auszutauschen und von einander zu lernen. Das gilt auch im Leib Christi! Nur wenn es Treffpunkte gibt, wo ich anderen Gliedern des Leibes Christ begegne, kann sich die Frucht der Liebe Jesu entfalten, die er verhießen hat. Das geschieht auch innerhalb der eigenen Gemeinde, aber wenn wir nicht über deren Grenzen hinausgehen, werden uns wichtige Erfahrungen entgehen und auch eine tiefer Erfahrung der Liebe Jesu.
    Darum halte ich es für wichtig an übergemeindlichen Gemeindetreffen teilzunehmen, nicht aus einem Pflichtbewußtsein sondern mit der Erwartung, dass Gott diese Begegnungen besonders segnen will.

„Damit sie alle eins seien“, das ist der Wille Jesu und es ist sein Gebet zum Vater, und darum wird es auch geschehen!
Und man kann erkennen, dass es schon begonnen hat, denn immer mehr Christen haben dieses Verlangen in ihrem Herzen, weil auch die Liebe Jesu dort lebendig ist.
Vieles steht dem „Eins in Christus“ entgegen, es sind menschliche Vorstellungen, Erwartungen und Traditionen. Aber jeder Christ wird sich entscheiden müssen, ob er an den alten menschlichen Entwicklungen festhält, oder ob er dem Ruf „Eins in Christus“ folgen will und bereit ist, dafür manches Gewohnte hinter sich zu lassen, um eine tiefere Dimension der Liebe und Kraft Jesu zu erfahren.

Gerhard Tebbe

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